Manuelles Schweißen
Wie Laserschweißen die industrielle Fertigung bis 2035 verändern könnte
30. Oktober 2026
Laserschweißen verändert bereits heute, wie schnell Hersteller arbeiten können. Sein größeres Potenzial liegt jedoch in dem, was rund um die Schweißnaht passiert. Von knappen Fachkräften und schnelleren Produktwechseln bis hin zu früherer Qualitätskontrolle und einer besseren Nutzung der Produktionskapazität: Wir zeigen, wie Laser die Fertigung bis 2035 verändern könnte.
Varsha Saraogi
Das offensichtlichste Argument für das Laserschweißen lässt sich knapp zusammenfassen: Es ist schnell. Bis 2035 könnte die Geschwindigkeit jedoch zu seinen weniger interessanten Vorteilen gehören.
Fertigungsbetriebe müssen eine größere Variantenvielfalt, kürzere Produktionsserien und engere Liefertermine bewältigen, während sich qualifizierte Schweißkapazität nur schwer ausbauen lässt. Anlagen müssen schneller zwischen Aufträgen wechseln, Qualitätsprobleme früher erkannt und vorhandene Produktionskapazitäten stärker genutzt werden.
Die entscheidende Frage lautet daher: Wie kann Laserschweißen dazu beitragen, die Engpässe zu beseitigen, die die Produktion begrenzen?
Fachkräfte, Produktwechsel, Qualität und Kapazität sind vier Bereiche, in denen sich die Antwort bereits abzeichnet.
Engpass 1: Qualifizierte Kapazität
Hersteller können nicht länger davon ausgehen, dass die Zahl der Arbeitskräfte mit der Produktion wächst.
Die Herausforderung reicht weit über das Schweißen hinaus. Laut World Economic Forum erwarten 86 % der Arbeitgeber, dass KI und Technologien zur Informationsverarbeitung ihre Unternehmen bis 2030 verändern werden. Gleichzeitig nennen 63 % Kompetenzlücken als größte Hürde für die Transformation.
Das weist auf ein anderes Modell industrieller Arbeit hin.
Wiederkehrende, vorhersehbare Aufgaben werden zunehmend automatisiert oder in Prozesse verlagert, die weniger manuelle Eingriffe erfordern. Erfahrene Fachkräfte konzentrieren sich auf Ausnahmen, komplexe Verbindungen, Prozessoptimierung und Qualität.
Es geht nicht um eine Fabrik ohne Schweißfachkräfte.
Kemppi setzt beispielsweise zunehmend auf geführte Einrichtung und Prozessunterstützung, um die Zahl manueller Entscheidungen vor Beginn des Schweißens zu reduzieren. Weld Assist im FastBeam 3 folgt beim Laserschweißen demselben Prinzip: Die Technologie unterstützt den Bediener dabei, geeignete Startparameter zu finden, anstatt jede Einstellung von Grund auf neu aufbauen zu müssen.
Engpass 2: Produktwechsel
Automatisierung funktioniert, wenn dasselbe Bauteil tausendfach hergestellt wird. Sie muss jedoch auch dann wirtschaftlich bleiben, wenn sich das Bauteil ändert.
Deshalb geht der nächste wichtige Produktivitätssprung über einen Roboter hinaus, der sich lediglich schneller bewegt. Entscheidend könnte sein, schneller von einem Auftrag zum nächsten zu wechseln.
Kemppi wird Teil dieser Diskussion, weil sich Strahlverhalten und Prozessparameter im FastBeam 3 präzise steuern lassen. Mit Penetration Shape Control können Strahlform, Balance, Oszillation und Leistung angepasst werden, während die geführte Einrichtung dabei hilft, das Laserschweißen auf geeignete Anwendungen abzustimmen, ohne jeden Auftrag gleich zu behandeln.
Wenn beispielsweise ein dringender Auftrag über 80 Baugruppen aus Edelstahl eingeht, zählt vor allem, wie schnell der Prozess vorbereitet, validiert und zur Produktion von Gutteilen gebracht werden kann. Der Wettbewerbsvorteil liegt in der Zeit zwischen Auftragseingang und dem ersten Gutteil. Diese Kennzahl ist es wert, beobachtet zu werden.
Das ist besonders dort relevant, wo Flexibilität und kleinere Produktionsserien ebenso wichtig sein können wie reines Volumen.
Engpass 3: Probleme zu spät erkennen
Ein Fehler, der während des Schweißens erkannt wird, ist ein Prozessproblem. Ein Fehler, der erst nach 500 produzierten Bauteilen entdeckt wird, ist ein Geschäftsproblem.
Das Ziel ist klar: Abweichungen erkennen, bevor daraus Nacharbeit wird.
Bis 2035 könnte die Abfolge zunehmend lauten: schweißen → überwachen → erkennen → korrigieren
Statt: schweißen → prüfen → entdecken → nacharbeiten
Der wirtschaftliche Nutzen liegt auf der Hand: weniger Ausschuss, weniger Nacharbeit und weniger Chargen, die unter falschen Bedingungen produziert werden.
Die Schweißnaht selbst wird zur Informationsquelle. Kemppis aktueller Ansatz umfasst kontrollierte Parameter, geführte Einrichtung und digitale Schweißinformationen. Langfristig liegt die Chance darin, diese Elemente enger miteinander zu verbinden: Schweißfachkräfte dabei zu unterstützen, den Prozess korrekt einzustellen und gleichzeitig zu verstehen, was während der Produktion passiert ist.
Engpass 4: Produktivität steigern
Technologie zu kaufen ist einfach. Sie mit Produktion, Menschen, Daten, Cybersicherheit und bestehenden Arbeitsabläufen zu verbinden, ist deutlich schwieriger.
Für das Laserschweißen ist die Lehre wichtig: Ein Business Case darf nicht bei der Schweißgeschwindigkeit enden. Hersteller müssen verstehen, was mit allen relevanten Größen passiert – darunter Kapazität, Einrichtung, Nachbearbeitung, Qualität, Arbeitskräfteeinsatz, Durchlaufzeiten und letztlich die Kosten pro Fertigteil.
Deshalb geht Kemppis Einstieg in die Lasertechnologie über die Ergänzung um eine weitere Schweißmaschine hinaus. FastBeam 3 erweitert ein Portfolio um Laser, das bereits manuelles Schweißen, Automatisierung und digitale Lösungen umfasst. So kann die Diskussion beim Produktionsproblem beginnen und nicht bei einem vorab festgelegten Verfahren.
Über den Laserstrahl hinaus
FastBeam 3 markiert Kemppis Einstieg in das handgeführte Laserschweißen. Die größere Veränderung findet jedoch rund um den Strahl statt: einfachere Einrichtung, flexible Produktion, intelligentere Prozesssteuerung und die wachsende Erwartung, dass Technologie die Wirtschaftlichkeit des gesamten Produktionsflusses verbessern muss.
Auch 2035 werden in den besten Fertigungsbetrieben hochqualifizierte Menschen arbeiten. Was es dort zugleich weniger geben sollte, sind Wartezeiten, unnötige Wiederholungen, vermeidbare Nacharbeit und ungenutzte Kapazität.
Abschließend gilt: Laser wird nicht jedes Schweißverfahren ersetzen. MAG bleibt für viele Anwendungen die logische Wahl. WIG bleibt dort wertvoll, wo sein besonderes Maß an manueller Kontrolle gefragt ist. Manuelles Schweißen und Automatisierung werden weiterhin nebeneinander bestehen.
Was sich verändert, ist die Bandbreite der Möglichkeiten, die Herstellern zur Lösung eines Produktionsproblems zur Verfügung steht.
Varsha Saraogi
Varsha Saraogi
Hails from a background in journalism and editorial strategy and brings an international B2B perspective to content and communications at Kemppi. Passionate about creating stories that connect welding technology with the people and industries it serves, combining technical substance with a clear and engaging voice. Work has been published in specialist titles such as Airport Technology, Railway Technology, Ship Technology, FinTech Global, and RegTech Analyst, reflecting experience across a wide range of industrial and business sectors.
